EDYTA Zaborowska

Ein Gastbeitrag von EDYTA Zaborowska

Nach fast einem Jahrzehnt mit sexuellen Spielen der Dominanz und Unterwerfung langer Mitgliedschaft in einschlägigen Internetplattformen kann mich so leicht nichts mehr aus der Fassung bringen.

Das hatte ich immer gedacht …

Ein Besuch bei meiner Verwandtschaft in Polen hat mich eines Besseren belehrt. Ich nutze meine Aufenthalte in meiner polnischen Heimat unter anderem natürlich auch, um alte Freundschaften zu pflegen. So hatte ich mich Anfang Februar mit einer Freundin aus der Grundschulzeit getroffen. Nach einer Weile erzählte mir die jetzige Rechtsanwältin und Mutter von drei Kindern, dass sie nach dem Tod ihres Mannes vier Jahre keinen richtigen Sex mehr gehabt hatte und sich deshalb in Polen bei einer Art von Sex-Dating Agentur angemeldet hat. Dort hatte sie zwei Männer gefunden, mit denen sie sich regelmäßig getroffen hätte, einen gleichaltrigen, leitenden Mitarbeiter aus einer lokalen Behörde und einem zehn Jahre jüngeren Handwerker. Entsprechend groß war meine Verblüffung, als sie mir sagte, dass sie seitdem weitaus zufriedener wäre als zuvor, was vor allem an dem jungen Zimmermann gelegen hätte. Dieser stünde auf Fesselspiele, die ihr nach einer anfänglichen Scheu immer mehr Spaß gemacht hätten.

Nun hatte der Handwerker vor einigen Wochen eine andere, gleichaltrige Frau gefunden und die Beziehung zu meiner Freundin beendet. Mit dem Abteilungsleiter aus der Behörde sei es leider unmöglich, diese Art von Sex zu praktizieren. Er steht einfach nicht drauf. Nun sucht sie eine Internet Plattform, in der sie einen Partner finden könnte, mit dem sie SM-Spiele mit ihr als den masochistischen Part praktizieren kann.

Ich gebe ehrlich zu: diese Worte haben mein Bild von dieser stets so zurückhaltend wirkenden Frau wirklich erschüttert. Sie ist bekennende Katholikin und will sich auf einem Portal anmelden, auf dem sich BDSMer treffen, um damit ihre individuelle Zufriedenheit festigen? Außerdem berichtete sie mir all das – mit der Unterstützung von drei Gläsern Rotwein – noch so frei heraus, als würde sie von dem Schreiben eines Schreibens an einen Mandanten reden.

Abgesehen von der Tatsache, dass ich dann auch meine Geschichte erzählte und ihr wegen ihrer polnischen und englischen Sprachkenntnisse fetlife.com empfahl, musste ich an meine eigene Anfangszeit in dieser Internet-Subkultur denken.

Schon 24 Stunden nach meiner ersten Anmeldung bei einer großen Community hatte ich mehr als ein Dutzend Anfragen, eine Woche und ein paar von mir eingestellte Fotos später wurde ich förmlich davon überschwemmt. Die meisten davon machten einen vernünftigen Eindruck, beherrschten die Rechtschreibung und konnten sich gegenüber einer dominant veranlagten Frau benehmen und schriftlich ausdrücken. Sie stellten sich auf meine Rückfrage hin als Ingenieure, Köche, Schreiner oder auch Polizeibeamte aus der Mittel- und Oberschicht vor. Alle Anfragen hatten jedoch ein Treffen zum Ziel. Viele unter Ihnen waren verheiratet.

Im ersten Moment konnte ich in meiner damaligen Arglosigkeit noch nicht richtig glauben, dass es gebildete Männer gibt, die in festen Beziehungen leben und sich mit teilweise intimen Fotos auf die Suche nach heimlichen Abenteuern machen würden.

Heutzutage, weitaus erfahrener als in der Anfangszeit, wage ich mittlerweile zu behaupten, dass:

  • Portale aus der Subkultur mit Bezug auf SM in Deutschland in der Gesellschaft angekommen sind,
  • man sich in Polen auf dem besten Wege dorthin befindet,
  • ich es als nicht unmoralisch empfinde, wenn Männer im Gegenseitigen Einvernehmen mit der eigenen Gattin, die nicht diese Veranlagung teilen will oder kann, sich auf diesen Portalen umsehen,
  • die Behauptung, dass das Ausleben bizarrer Sexfantasien die Sache einer von billiger Pornografie beeinflussten Unterschicht ist, total falsch ist.

Und irgendwie habe ich mehr und mehr den Eindruck, dass die Deutschen – und hoffentlich auch bald die Polen – zumindest in Bezug auf SM ein ganz schön schamloses Volk sind, die ihre eigentümlichen Triebe auszuleben wissen, und denen es dabei ziemlich gut geht.

Und ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber ich habe mich schon oft bei der Frage ertappt, ob die Brotverkäuferin mit dem strengen Zopf wohl eine Stiefelherrin ist. Oder der reservierte Mann bei der Ausgabe der Steuererklärung beim Finanzam vielleicht ein Putzsklave sein könnte. So zivil sie wirken, wenn sie mir auf der Straße, beim Supermarkt oder im Büro gegenübertreten: wer weiß, was sich hinter diesen biederen, bürgerlichen Fassaden befindet?!

EDYTA Zaborowska

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Redaktionell:

Es sind einige interessante Fragen die die erfolgreiche SM-Autorin, Fetishistin und Herrin dort aufwirft. Wie sind eure Erfahrungen in BDSM-Communities. Sind wir angekommen oder wandert es ab in die sozialen Medien? Habt ihr Partnerinnen gefunden? Wie steht ihr in eurer Beziehung zu Communities?

Bitte nutzt die Kommentarfunktion ausgiebig.

Die Autorin

EDYTA Zaborowska wurde 1970 in Polen geboren. Nach dem Umschwung im Osten erkannte sie ihre Chance und siedelte nach Deutschland über. Heute gehört EDYTA Zaborowska zu den erfolgreichsten SM-Autorinnen und führt regelmäßig die Bestsellerlisten im Breich BDSM-Literatur an. Näheres zur Person und diverse Lesproben finden sich auf Ihrer Website EDYTA-Zaborowska.com

EDYTA Zaborowska schreibt regelmäßig für ELITEHERRIN.DE

 

 

 

 

 

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