EDYTA Zaborowska

– Ein paar nicht immer erst gemeinte Gedanken einer Betroffenen –

Es gibt kaum eine Zeitschrift oder ein Internetmagazin, das sich nicht schon einmal in Form eines Artikels oder Ratgebers über das sexuelle Vorspiel ausgelassen hat. Während „Wikipedia“ recht trocken die Definition „dem eigentlichen Geschlechtsakt vorausgehender, ihn vorbereitender Austausch von Zärtlichkeiten“ vorgibt, überbieten sich andere mit Tipps und Ratschlägen, wie dieses am besten durchzuführen ist. Als praktische Hinweise zum richtigen Vorspiel werden dem Leser solch exotische Begriffe wie „Co-sleeping“ (das ist übrigens ein modernes Wort für Kuscheln ohne Sex), Anaga Ranga, Lingam-Massage, Yoni-Massage oder Damm-Massage um die Ohren geschlagen.
Alles klar, Frau Domina? Für mich sind das jedenfalls alles böhmische Dörfer.

Nach Meinung der Verfasser(-innen?) dieser Ratgeber geht es wohl in erster Linie darum, langsam herauszufinden, was der Partner oder die Partnerin möchte, seinen oder ihren Körper auf kreative Weise zu erforschen, die Leidenschaft anzuheizen und Hemmungen voreinander zu verlieren. Dazu würden neben Streicheleinheiten auch erotische Massagen und Küsse bei Kerzenschein gehören, und das alles ohne Zeitdruck und ohne auf die Uhren zu schauen. Man solle sich besser auf seine Gefühle verlassen, um zu wissen, wann kopuliert werden kann. Und nicht nur die Frauen würden von einem guten Vorspiel profitieren, sondern auch der Mann. Dieser könne danach eine leidenschaftliche Liebhaberin im Bett erwarten. Allerdings – so wird schnell nachgeschoben – solle „Mann“ der Frau dabei nicht plump und vorschnell ins Höschen grabschen. Das könne die Stimmung bei ihr blitzschnell zerstören und die ganze Sache dann in einer riesigen Enttäuschung enden lassen.

Soweit so gut, oder besser:  Soweit ganz schön vanilla! Brigitte, Freundin, Closer, Joy oder Man´s Health geben keinerlei Auskunft über das richtige Vorspiel bei uns Fetischisten. Da auch ich mich als recht dominant-sadistisch veranlagte Herrin und leidenschaftliche Trägerin von Latex und Leder als solche bezeichne, habe ich in diesen Medien lange nach Ratschlägen gesucht. Danach bin ich zu dem folgenden Ergebnis gekommen: Wir Fetischistinnen stehen in dieser Beziehung auf weiter Flur alleine und müssen uns ohne gute Ratschläge über Wasser halten!

Den Vorgaben von den oben genannten Ratgebern eins zu eins folgen, würde nach meiner Meinung ziemlich komisch aussehen. Man stelle sich ein Sklave vor, der mit seiner Stiefelherrin unter der warmen Bettdecke  das „Co-sleeping“ betreibt …

Statt eine der vielen Zeitschriften für Lifestyle anzuschreiben und gute Praxistipps für uns Fetischisten zu fordern, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es bei mir selbst aussieht. Dabei bin ich zu dem erstaunlichen Ergebnis gekommen, dass ich ein Vorspiel schon lange – ohne mein Wissen – praktiziere! Meines geht zeitlich sogar über die von den Artikelschreibern geforderten „mindestens 30 Minuten“ weit hinaus. Allerdings fehlt mir eine Komponente, die bei Vanilladamen nicht wegzudenken ist:  Zärtlichkeiten! Meine Ideale Vorstellung von einem „dem eigentlichen Geschlechtsakt vorausgehender, ihn vorbereitender Austausch von Zärtlichkeiten (Wikipedia)“ sieht daher wie folgt aus:

1. Ich verrichte kurz vor Sonnenuntergang eine gute Stunde intensiven Sport oder Aerobic – am liebsten jogge ich dabei durch Regen oder Matschwetter, so dass ich schön nass und ausgekühlt heimkomme.

2. Nach der Ankunft kleide ich mich vollständig aus, wobei sich Haussklave um die dreckige, nasse und verschwitzte Wäsche zu kümmern hat.

3. Ich nehme ein heißes Vollbad. Ich lasse mir dabei ein wenig Zartbitterschokolade und ein Glas Rotwein oder Sekt bringen.  Manchmal genehmige ich Sklaven, eine Fußmassage bei mir durchzuführen.

4. Nach einer ausgiebigen Körperrasur, wird der Körper abgetrocknet und eingecremt. Ich schlüpfe in einen flauschigen Bademantel lege mich eine Weile aufs Bett. Dabei kann selten vorkommen, dass ich einschlafe … (Dann habe ich/hat Sklave Pech gehabt und die Session fällt ins Wasser!)

Falls ich nicht eindöse, kleide ich mich noch im Schlafzimmer in der folgenden Reihenfolge ein, wobei die Wäsche vorher von Sklave nach meinen Anweisungen bereitgelegt werden muss:

5. Ich lege mir zunächst einen BH und einen schrittoffenen Tanga an (feines Latex, schwarz, rot oder transparent).

6. Die Anziehhilfe (Eros) sorgt dafür, dass ich in meinen Latexcatsuit (schwarz, Rubbbaddiction/Berlin) buchstäblich hineingleiten kann, ziehe den Frontzipper vom Po bis zum Hals zu. (Puh, das ist immer wieder ein fabelhaftes Erlebnis).

7. Ich lege mir das Unterbrustkorsett an (schwarz, Latexa).

8. Das Make-up wird dicker und auffälliger als üblich aufgelegt. Ich lege mir Wimpernverlängerung, Kajal, Lippenstift etc. an.

9. Latexkopfmaske überziehen, schließe den Zipper am Hinterkopf (Latex, schwarz).

10. Ich schlüpfe in meine Lederstiefel (habe da diverse Paare zur Auswahl).

10a. Abhängig von meiner Lust und der Session, die ich vorhabe, präpariere ich mich mit Plugs oder lege den Strap-on an.

11. Ich lege eine Klassik-CD in den Player und „schon“ kann es beginnen

Oft vergehen von der Nummer 1 bis 11 mehrere Stunden, bei denen Sklaven geduldig zu warten haben, bis ich bereit bin.

Leider ist es  nicht immer in dieser idealen Form praktizierbar, und wenn, dann auch nur in den eigenen vier Wänden. Wenn aber alles passt, dann ist es  das schönste Vorspiel, was sich eine Frau wie ich sich nur vorstellen kann. Und meine Partner können sich verdammt glücklich schätzen, dass ich davon schon dermaßen erregt bin, dass ich sehr schnell den dominant-sadistischem Aspekt aus mir herauslasse. Zwar werde ich dann nicht zu einer tollen und leidenschaftlichen Liebhaberin im Bett, dafür aber zu einer tollen Latexmistress, die ihre sexuelle Befriedigung als leidenschaftliche Sadistin findet.  Dem Sklaven mag es freuen, fallen dann meine Züchtigungen mit Gerte und Bullwhip  weitaus schmerzhafter aus, als ohne Vorspiel.


About EDYTA

Die Autorin erotischer SM-Romane Edyta Zaborowska wurde 1970 in einem kleinen Dorf in Südostpolen geboren. Ihre Kindheit, Jugend und Erziehung waren geprägt vom Niedergang des Sozialismus und von strenger katholischer Lehre. Nach dem Abitur folgte ein Studium der Musik und Kunst. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren siedelte sie ohne Kenntnis der deutschen Sprache und gegen den Willen ihrer Familie nach Deutschland aus. Später folgten verschiedene Anstellungen, unter anderem im kaufmännischen Management, sowie musikalische Engagements im In- und Ausland.

Weitere Informationen und Kontakt unter:  http://edytaswelt.jimdo.com/

Ebenfalls von der Autorin erschienen:

Flieg mit mir, mein Schwarzer Schwan!

Der Tanz des Schwarzen Schwans

Die Wahrheit hinter der Maske

Sklave, bis der Tod uns scheidet!

Entdeckung der Dominanz

Das Bildnis der Domina

Lucys Versuchung (Kurzgeschichte)

Feminisiert

 

2 Comments
  1. herbert 3 Monaten ago

    Ein wirklich perfektes Vorspiel der dominant-sadistisch veranlagten Latex-Herrin, das kaum zu toppen ist. Es ist für beide Seiten ein erregendes Erlebnis, auf die schmerzhafte Züchtigung zu warten. Das gleichbleibende Zeremoniell gibt den Zeitplan vor und betont den langen Weg des Leidens.

  2. Thor-Stan Brandt 2 Monaten ago

    …◇Edyta◇ ist eins dieser Menschenkinder,
    die sich unterscheiden…unterscheiden vom
    Strom der Menschen,die ihre Angst nur
    verdrängen und faule Kompromisse
    leben und schließlich mit ihr sterben.

    Nach schlimmen Kämpfen immer
    wieder aufgesetzt und langsam wieder
    in die Aufrechte gequält,alle Unken
    trotzig hinter mich gelassen.
    Ein einsamer Wolf,ein Einzelgänger ich
    bin…ob ich es will oda nicht!

    ◇Edyta◇ macht was sie will,
    Entweder High Heels
    oda Barfuss !
    …und ich?
    Lege meinen Willen,
    Dir zu Füssen,
    bin inferior…

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